Das botanische Prachtwerk Hortus Eystettensis wurde 1613 von dem Nürnberger Apotheker und Botaniker Basilius Besler (1561–1629) im Auftrag des Eichstätter Fürstbischofs Johann Konrad von Gemmingen veröffentlicht. Das monumentale Buch dokumentiert auf 367 Kupfertafeln die 1.084 Pflanzenarten des spektakulären Renaissance-Gartens, den der Fürstbischof ab 1592 auf den Bastionen der Eichstätter Willibaldsburg als repräsentativen Lustgarten anlegen ließ.
Von den ursprünglichen Gesamtausgaben der Erstauflage existieren heute weltweit nur noch wenige vollständige Exemplare und sie befinden sich fast ausnahmslos im Besitz bedeutender Institutionen wie der Universitätsbibliothek Eichstätt-Ingolstadt, der British Library oder der Albertina in Wien, wo auch ein Großteil der originalen Kupferplatten verwahrt wird.
Im heutigen Kunsthandel sind vor allem Einzelblätter im monumentalen Königsformat (57 x 46 cm) von Bedeutung. Vor allem im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden im Antikenhandel eine Reihe von Exemplaren der Bücher zerlegt und als Einzelblätter weiterverkauft.
Der Sammlerwert dieser Einzelblätter wird maßgeblich durch die Rückseite sowie die Farbfassung bestimmt: Während die luxuriöse Fürstenausgabe von 1613 keinen Rückentext besitzt und direkt ab Werk wertvoll altkoloriert wurde, wurden die regulären Handelsausgaben (mit lateinischem Rückentext) ursprünglich als preiswertere Schwarz-Weiß-Drucke für Wissenschaftler und Apotheker vertrieben. Viele dieser unkolorierten Blätter der Erstausgabe sowie der Folgeauflagen (1640, 1713) wurden erst deutlich später, im 19. und 20. Jahrhundert, aufwendig nachkoloriert. Neben dem Erhaltungszustand des Büttenpapiers entscheidet heute vor allem das Alter dieser Kolorierung (Originalkolorierung oder Nachkolorierung) über den Preis.
Unsere Reihe sehr gut erhaltener Einzelblätter stammt aus einer dem fortgeschrittenen Alter der Sammlerin geschuldeten Haushaltsauflösung. Selbst Biologin, hat diese aus botanisch-künstlerischem Interesse über die Jahre eine Sammlung solcher Hortus Eystettensis-Drucke erworben, die sie der artothek nun zur Verfügung gestellt hat. Alle uns vorliegenden Blätter stammen aus der ersten Handelsausgabe von 1613 oder der Jubiläumsausgabe 1713 und wurden – vemutlich Anfang des 20. Jahrhunderts – kunstvoll und aufwendig nachkoloriert.